«Pendeln wir, weil es zu wenige Wohnungen gibt? Studie gibt überraschende Antwort». So titelt diese Woche die Aargauerzeitung und bezieht sich damit auf die Metron-Grundlagenstudie zum Verhältnis von Beschäftigten und Einwohnenden im Siedlungsraum. Auch zahlreiche andere Medien und Fachleute haben die Studie aufgegriffen. Wohnen, Arbeiten und das Pendeln zwischen beidem wird von der Planung über die Politik bis in die Bevölkerung heiss diskutiert. Die Studie und die zugehörigen, öffentlich zugänglichen GIS-Daten von Metron für die ganze Schweiz unterfüttern die Diskussion mit Fakten und bieten Grundlagen für die aktuelle Stadt- und Siedlungsplanung.
«Mehr Wohnungen in Städten würden das Pendeln kaum reduzieren» schreibt etwa der Tagesanzeiger und sieht damit die gängige Lösung gegen lange Pendelwege widerlegt. «Wie so häufig ist auch hier die Realität differenzierter, als wir es gerne hätten.» sagt dazu Giovanni Di Carlo, Projektleiter der Studie bei Metron. «Unsere Ergebnisse zeigen vor allem: Auch ein vermeintlich optimales Verhältnis von Beschäftigten zu Einwohnenden in einer Stadt, einem Dorf oder Quartier führt nicht unbedingt zu wesentlich kürzeren Arbeitswegen.»
Die Pendelzeit: Eine individuelle Abwägungsfrage
Denn Pendeln ist Teil und Ausdruck einer arbeitsteiligen und spezialisierten Gesellschaft. Unsere Wohn- und Arbeitsorte wählen wir nicht allein nach der Pendeldistanz aus, sondern wägen sie nach vielen verschiedenen Aspekten ab – von der Familiensituation und dem sozialen Umfeld über Mietpreis und Lohn bis zu Schul- und Freizeitangebot. Wo die Arbeitsplätze liegen, richtet sich dagegen häufig nach den branchenspezifischen Anforderungen an den Standort wie Erschliessung, verfügbare Grundstücke, Nähe zu Hochschulen oder Zentren.
Denken in funktionalen Räumen statt Planen nach fixen Dichtevorgaben
Das Studienergebnis ist aber keine Kapitulation vor den Tatsachen. Es zeigt vielmehr: Wir müssen die raumplanerischen Hebel für eine positive Siedlungs- und Stadtentwicklung, weniger Verkehr und kürzere Wege anders ansetzen: Zwar gibt es kein allgemeingültiges, «richtiges» Verhältnis von Wohnen und Arbeiten. Demnach wird ein fixer Zielwert, wie er im Kontext der Innenentwicklung gerne propagiert wird, dem komplexen räumlichen Beziehungsgeflecht zwischen Städten und ihrem Umland nicht gerecht.
Doch «die Studie bestätigt die Sichtweise der funktionalen Räume und der Agglomerationsprogramme.» sagt Beat Suter, einer der erfahrensten Raumplaner bei Metron, der ebenfalls an der Studie beteiligt war. Das heisst: Weniger Fokus auf Zahlen, mehr Fokus auf die Zusammenarbeit und die Abstimmung der räumlichen Entwicklung im funktionalen Raum. Darauf, also, wie Wohnen, Leben und Arbeiten räumlich und funktional tatsächlich miteinander verflochten sind. Hier liegen grosse Chancen für die Raumplanung.
Durchmischte Quartiere sind dennoch sinnvoll
Keinesfalls ist die Studie als Plädoyer für die grossflächige Trennung von Wohnen und Arbeiten zu verstehen. Denn gemischte Quartiere verändern zwar die Pendeldistanzen nicht, sehr wohl aber verkürzen sie die Alltagswege – zum Supermarkt oder zum Coiffeur, der Bibliothek oder Apotheke – und damit den Alltags- und Freizeitverkehr. Interessant ist in diesem Kontext eine weitere Studie von Metron zum Thema «Quartiere der kurzen Wege» – ebenfalls mit einer öffentlich verfügbaren, schweizweiten GIS-Modellierung.
Weiterführende Informationen zum Thema:
- Weitere Informationen zur Studie «Verhältnis Arbeiten-Wohnen» und einen Link zum PDF des Berichts finden Sie hier.
- Datengrundlagen für die Studie lieferte das Metron-GIS: Dort haben unsere GIS-Spezialisten Joel Hauser und Jonas Bubenhofer Karten zum Verhältnis von Wohnen zu Arbeiten für die gesamte Schweiz erstellt. Sie sind öffentlich zugänglich.
- Ein aufschlussreiches Interview zum Thema mit Anna Schindler, Direktorin Stadtentwicklung Zürich (Auftraggeberin der Studie) findet sich auf der Website der Stadt.
- Zum Artikel im Tagesanzeiger (19.8.26).
- Zum Beitrag von Stefan Ehrbar in der Aargauerzeitung und auf Schweizheute (gleicher Beitrag, 18.8.26).
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