Wer Verkehrssysteme plant und weiterentwickelt, kommt an Prognosen nicht vorbei. Doch wie verlässlich sind die zugrunde liegenden Annahmen tatsächlich? Im Webinar «Verkehrsprognosen unter der Lupe» des Verkehrs-Clubs der Schweiz (VCS) zeigte Metron-Verkehrsplaner Alex Stahel verschiedene Methoden auf und stellte Praxisbeispiele vor.
Wächst mit der Bevölkerung automatisch auch der Verkehr? Braucht es darum mehr Strassen, Autobahnen und ÖV? Wie belastbar sind Verkehrsmodelle? Und welche Rolle spielt das zukünftige Mobilitätsverhalten? Im Webinar ordnete Alex Stahel die wichtigsten Faktoren und Ansätze ein.
Wie entstehen Verkehrsprognosen?
Um den künftigen Bedarf an Verkehrsinfrastruktur abzuschätzen, arbeiten Planende mit komplexen Modellen und Annahmen. Deshalb ist die Anwendung von Szenarien zentral:
Beim Forecasting wird die zukünftige Verkehrsentwicklung ausgehend von der heutigen Situation fortgeschrieben – unter Berücksichtigung von Trends. Der Backcasting-Ansatz geht umgekehrt vor: Gestartet wird beim angestrebten Ziel, etwa der Klimaneutralität, und leitet daraus die erforderlichen Schritte bis heute ab.
Bevölkerungswachstum bedeutet nicht zwingend mehr Autoverkehr
Am Praxisbeispiel Limmattal wird aufgezeigt, dass Bevölkerungswachstum nicht automatisch zu mehr Autoverkehr führt. Entscheidend ist, wie Städte und Regionen Mobilität und Verkehr gestalten. Im Limmattal sind Bevölkerung und Beschäftigtenzahlen stark gewachsen – gleichzeitig ging der Autoverkehr um rund zehn Prozent zurück. Ein wesentlicher Faktor dabei ist die Inbetriebnahme der Limmattalbahn.
Verkehrsprognosen und Szenarien schaffen Orientierung
Verkehrsprognosen liefern keine exakten Vorhersagen. Dennoch sind sie ein unverzichtbares Instrument. Die Verkehrsentwicklung ist gestaltbar und veränderbar. Prognosen ermöglichen das Denken in Szenarien. Sie schaffen einen Orientierungsrahmen für mögliche Entwicklungen und deren Auswirkungen. Und damit eine wichtige Grundlage für planerische und politische Entscheidungen.
Ein herzliches Dankeschön für die Einladung an den Verkehrs-Club der Schweiz (VCS), Selim Egloff (Projektleiter Verkehrspolitik VCS) für die gelungene Moderation sowie den rund 100 Teilnehmenden für die spannende Diskussion.
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