Aktuelles – 04.12.2025

Wie altersgerechter Wohnraum die Versorgungssicherheit stärkt

Giovanni DI Carlo spricht vor Publikum. Impulsveranstaltungen «Altersgerechte Wohnformen und ihr Beitrag zur Versorgungssicherheit»

Älter werden und selbstbestimmt leben – aber wie und wo? Mit der demographischen Entwicklung steigt der Bedarf nach Wohnformen, die die Lücke zwischen selbstständigem Wohnen und stationärer Pflege schliessen. An den Impulsveranstaltungen «Altersgerechte Wohnformen und ihr Beitrag zur Versorgungssicherheit» diskutierten Fachpersonen aus Strategie (ValeCura) und Raumplanung (Metron) über Herausforderungen und systemische Lösungsansätze.

Aktiv, selbstbestimmt sucht …

Die älteren Generationen wünschen sich so lange wie möglich selbstbestimmt zu leben. Sie bleiben gesund, aktiv und leben länger. Die Mehrheit ist zu fit für das Alters- und Pflegeheim. Dennoch ziehen Personen mit niedrigen Pflegestufen ins Pflegeheim, weil es nicht genug intermediäre Angebote gibt – also Lebensformen zwischen dem Wohnen in den eigenen vier Wänden und dem Heim. Dieses Versorgungsdefizit bedeutet, dass die Betroffenen nicht in ihrer gewünschten Wohnform leben. Es führt ausserdem zu hohen Kosten und belastet das ohnehin strapazierte Gesundheitssystem mit akutem Fachkräftemangel. Es ist höchste Zeit für zukunftsfähige Versorgungssicherheit.

Wenn die betreuten Wohnformen gefördert und ausgebaut werden, wird die Versorgungssicherheit gestärkt. Die Personen leben im Mietverhältnis und beanspruchen bei Bedarf punktuelle Dienstleistungen wie Betreuung. Idealerweise werden dafür bestehende gesundheitliche Infrastrukturen wie Pflegeheime genutzt und ausgebaut – Synergien entlasten das System.

Systemische Herausforderung, gemeinsame Lösung

Die demographische Entwicklung erfordert eine systemische Herangehensweise, private Einzellösungen können den Bedarf nicht abdecken. Die Herausforderung ist da, einen gesetzlichen Auftrag gibt es (noch) nicht. Gleichzeitig hemmt die hohe Nachfrage die Umsetzung betreuter Wohnformen: Manche Gemeinden befürchten, dass betreute Wohnformen Personen aus anderen Regionen anziehen und diese nach einigen Jahren ins Alters- oder Pflegeheim ziehen, die Gemeinde kommt dann je nach Kanton für die anfallenden Restkosten auf.

Ein Beispiel im Kanton Aargau zeigt jedoch, wie Gemeinden sich mit anderen Akteuren zusammenschliessen und reagieren. Die 30 Gemeinden der Regionalplanungsverbände Mutschellen-Reusstal-Kelleramt und Unteres Bünztal entwerfen gemeinsam mit der Metron überregionale Lösungsansätze.

«Einfach nur das Bestehende zu vervielfachen, reicht nicht mehr aus. Was wir brauchen, sind neue Wege der Versorgung – und ein neues Verständnis von Zusammenarbeit.»
Dr. phil. Stephan Knoth, Entwicklung und Beratung, ValeCura AG

«Neben der Förderung geeigneter Wohnangebote braucht es eine gebaute Umgebung, die ein selbstständiges Leben ermöglicht: mit Nahversorgung in Gehdistanz, sicheren und attraktiven Fusswegen sowie Freiräumen, die zum Verweilen und zur sozialen Teilhabe einladen. Nur die Raumplanung kann diese ganzheitliche Perspektive einnehmen und die verschiedenen Anforderungen räumlich zusammenführen.»
Giovanni Di Carlo, Metron Raumentwicklung AG

Die Impulsveranstaltungen in Luzern, Winterthur und Aarau betrachtete die Versorgungssicherheit fachübergreifend und praxisnah.

Projekte im Bereich «Gesundheit und Älterwerden»