Die «Fädelifabrik» in Turgi blickt auf rund 200 Jahre Geschichte zurück. Mit dem Einzug der Tagesschule des Zentrums Aargauische Sprachheilschule (ZASS) erhält das ehemalige Industriegebäude eine neue Nutzung. Das Architektur-Team der Metron verantwortete den Mieterausbau. Die Aufgabe verlangte einen sorgfältigen Umgang mit dem historischen Bestand und ein feines Gespür für die besonderen Bedürfnisse der Kinder mit einer Sprachentwicklungsstörung.
Mit Tagesschulen an fünf Standorten im Kanton Aargau begleitet und fördert das ZASS rund 300 Kinder und Jugendliche mit Sprachentwicklungsstörungen. Seit Sommer 2026 werden auch Kinder mit psychosozialen Beeinträchtigungen betreut. Für die neue Tagesschule in Turgi wurde die historische Spinnerei auf die anspruchsvolle sonderpädagogische Nutzung ausgerichtet. In der ehemaligen Spinnerei lernen neu 72 Kinder und arbeiten 25 Mitarbeitende in einer ruhigen, reizarmen Umgebung.
Bestand und besondere Bedürfnisse im Einklang
Seit rund 200 Jahren zeugt die historische Spinnerei von der frühen Industriegeschichte des Kantons Aargau. Für die Tagesschule wurde der 3500 Quadratmeter grosse östliche Teil über sieben Geschosse umgebaut. Die weitläufigen Industriegeschosse mit ihren charakteristischen Stützen wurden entsprechend den pädagogischen Anforderungen in ruhige, für Kleinklassen geeignete Einheiten gegliedert. Unterrichts-, Gruppen- und Therapieräume schaffen Raum für individuelles Lernen und gezielte Förderung. Dabei galt es, das Potenzial des Bestands und die Vorgaben zu Statik und Denkmalschutz mit den Anforderungen der Sprachheilschule in Einklang zu bringen.
Räumliche Strukturen, Licht, Akustik sowie Farben und Materialien sind sorgfältig auf eine reizarme Lernumgebung abgestimmt. Das Farb- und Materialkonzept greift die zurückhaltende Palette des Industriebaus auf und führt sie mit warmen Tönen und einem durchgehenden Eichensockel als verbindendem Element weiter. Gezielt eingesetzte Farbakzente schaffen Orientierung und verleihen den Geschossen eine eigene Identität. So entsteht eine ruhige Atmosphäre, in der die Geschichte und Materialität der ehemaligen Spinnerei weiterhin spürbar bleiben. Lehrpersonen und Logopädinnen waren in den Planungsprozess eingebunden und brachten die Bedürfnisse der Kinder und die Anforderungen an den Schulalltag frühzeitig ein.
In 19 Monaten zum neuen Lernort
Der enge Zeitrahmen stellte hohe Anforderungen an Planung und Zusammenarbeit. Damit die Tagesschule Anfang August 2026 ihren Betrieb aufnehmen konnte, mussten unterschiedliche Ansprüche zusammenfinden: Architektur und Pädagogik ebenso wie Statik, Denkmal- und Brandschutz. Im engen Austausch der verschiedenen Fachgebiete entstanden Lösungen, die den Charakter des Bestands bewahren und den besonderen Bedürfnissen der Kinder Raum geben.
Tag der offenen Türen, 19. September, weitere Informationen zur Eröffnungsfeier sind auf der Website des ZASS zu finden.
Artikel «Sprachheilung statt Kinderarbeit», Badener Tagblatt, 30. Juli 2026
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